Im Gespräch mit Pfarrer Martin Gögler

Martin, Du warst ja lange Pfarrer in Ottmaring. Wie lange war das denn genau?
Von 1982 im Herbst bis 2005.

Du hast all die Jahre neben der Kirche im Pfarrhaus gewohnt und entscheidend dazu beigetragen, dass die Kirche einen Anbau erhielt. Kannst Du dazu etwas sagen?
Zuerst war das Pfarrhaus noch nicht bewohnbar, da war ich in der sogenannten Villa in der Martinstraße und dann bin ich, als es renoviert war, ins Pfarrhaus gezogen. Gleichzeitig mit dem Pfarrhaus wurde die Kirche auf Initiative von Bischof Stimpfle hin renoviert. Nach einem großen Priestertreffen in Ottmaring, bei dem Bischof Stimpfle dabei war, regte er an, die Kirche zu vergrößern.

Wie wurde dieser Umbau finanziert?
Die Kirchenstiftung machte einen Plan, der bei der Diözese eingereicht wurde. Weil es ein Projekt der Diözese und ein Wunsch des Bischofs war, wurde es weitgehend von der Diözese finanziert. Aber genau weiß ich das nicht mehr. Das war vor 40 Jahren.

Was bedeutet Dir die Kirche St. Michael?
Die ist mir ans Herz gewachsen.

Pfarrer Gögler (rechts) und Kirchenpfleger Hermann Finkl beim Gespräch über die Renovierungsmaßnahmen sowie deren Finanzierung.

Was war die größte Herausforderung?
Viele aus der Pfarrei haben sich damals für den Anbau engagiert, z.B. der damalige Kirchenpfleger Herr Finkl wie auch Herr Erhardt (Saler Hans) von der Kirchenverwaltung. Da waren weitreichende Entscheidungen nötig. Der ganze Vorraum, Zugang zwischen Pfarrhaus und Kirche wurde neu gebaut. Dabei entstand die Seitenkapelle.
Eine Herausforderung für mich war es, wie das Gesicht der Kapelle sein sollte. Ein Architekt der Diözese hat uns in dieser Frage beraten. Mir war wichtig, dass der Weg Mariens dort zum Vorschein kommt. Eine Künstlergruppe um den Architekten entwarf die Bilder in den Fenstern. Ein Künstler aus Oberbayern griff mein Anliegen für den vorderen Teil der Seitenkapelle auf. Ich wünschte mir, dass dort der erwachsene Jesus sein sollte, der uns Maria zeigt. Mir war wichtig, dass sie schon als Mutter des Gekreuzigten erahnbar wird. Es sollte auch ein Ort fürs Gebet werden, eine Marienkapelle. Ich habe daher eine besondere Beziehung zu dieser kleinen Kapelle in der Seitenkapelle. Die Bilder ringsherum zeigen das Leben Mariens, angefangen bei der Verkündigung, über die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, die Weihnachtsgeschichte, die Hochzeit zu Kana bis zum Stehen unter dem Kreuz.

Wie fanden die Gottesdienste während der Renovierung statt?
Weihnachten wurde in einer riesigen Baustelle gefeiert. Die Gemeinde fühlte sich damals wie im armseligen Betlehem. Es war das absolut passende Ambiente für die Feier von Weihnachten.

Auch das Pfarrhaus wurde renoviert …

Es gab damals viele, die meinten das Pfarrhaus solle abgerissen werden. Herr Wisjak, der ebenfalls in der Kirchenverwaltung war, hat uns mit seinem gestalterischen Talent beraten. Ihm ist es mit zu verdanken, dass das Pfarrhaus stehen blieb und renoviert wurde. Auch der Platz unterhalb des Pfarrhauses entstand damals, ebenso der Gemeinderaum.
1984 bin ich ins Pfarrhaus eingezogen.

Welche Bedeutung hatte das, dass damals so viel Platz geschaffen wurde?
Es kamen oft Gruppen von außerhalb, auch aus dem Ausland, die die Kirche besuchten und sich dort trafen. Oft wurde ich gebeten, eine Kirchenführung zu machen.

Wie war das für Dich, wenn Du Kirchenführungen machtest?
Die habe ich schon mit Stolz gemacht.

Was fällt Dir dazu ein?
Unten gab es schon den Gemeinderaum, der sehr viel zum Gemeindeleben beigetragen hat. Wir haben zu Weihnachten die Lehrer eingeladen und eine Führung durch das Pfarrhaus gemacht. Ich war ja Religionslehrer, die Lehrer meine Kollegen.

Was war schwierig für dich in dieser Zeit?
Das gemeinsame Ringen unter allen Beteiligten (Architekten, Entscheidungsträger, Diözese) zu Themen wie z.B. Wandbemalung, Deckengestaltung, Gestaltung der Seitenkapelle. Es gab dazu eine Beratung der Diözese, um den ursprünglichen Stil der Gebäude zu erhalten. Auch der Denkmalschutz war beteiligt. Hans Gebauer war damals unser Architekt. Es war immer sehr anstrengend, die Vorstellungen aller Beteiligten unter einen Hut zu kriegen und am Ende doch gemeinsam zu einer guten Lösung zu kommen.
Ein Beispiel ist die Farbgebung des Bogens am Hochaltar, der blau und rot bemalt ist. Um die Farbgebung gab es viele Diskussionen. Als man sich schließlich auf rot und blau geeinigt hatte, konnten alle feststellen, dass es hervorragend passte – eine echte neugotische Kirche!

An was erinnerst Du Dich besonders?
Ich erinnere mich an viele Gemeindemitglieder, die aktiv mit ihrer Arbeit an der Kirche beteiligt waren, z.B. die Firma Bradl, als deren Mitarbeiter Hans Kraus die Bretter in der Spitze der Seitenkapelle eingepasst hat. Er war wochenlang dort beschäftigt und hat die Arbeit mit viel innerem Engagement erledigt. Alfons Lindner haben wir als Künstler mit dem Volksaltar beauftragt, den er dann entworfen hat. Bei der Altarlösung hat auch Hans Gebauer mitgewirkt.

Was hat Dich gefreut?
Wir haben eine Katholische Landjugendgruppe begonnen, es gab Familienkreise, mit denen ich Ausflüge unternommen habe. Es war eine schöne Zeit!
Die Kirche ist sehr schön geworden.

Vielen Dank für das Gespräch, Martin!

Das Gespräch mit Pfarrer Martin Gögler führte Rita Offinger-Gaube.