Bittgänge
2. Impuls zur Fastenzeit
Heraustreten aus dem Alltag
Einfach mal einen Schritt heraustreten aus meinem Alltag, aus meinen Verpflichtungen aus meinen Gewohnheiten.
Einfach mal einen Schritt heraustreten aus meinen Erwartungen, aus meinen Vorstellungen – aus all dem, was ich von mir denke…
…einfach mal einen Schritt heraustreten und warten, beobachten, was mir da entgegenkommt.
1. Impuls zur Fastenzeit
Die Geschichte von Beppo Straßenkehrer
aus dem Buch Momo von Michael Ende
Er fuhr jeden Morgen lange vor Tagesanbruch mit seinem alten, quietschenden Fahrrad in die Stadt zu einem großen Gebäude.
Dort wartete er in einem Hof zusammen mit seinen Kollegen, bis man ihm einen Besen und einen Karren gab und ihm eine bestimmte Straße zuwies, die er kehren sollte.
Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit.
Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter: Schritt – Atemzug – Besenstrich.
Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat.
Nach der Arbeit, wenn er bei Momo saß, erklärte er ihr seine großen Gedanken. Und da sie auf ihre besondere Art zuhörte, löste sich seine Zunge, und er fand die richtigen Worte. “Siehst du, Momo”, sagte er dann zum Beispiel, “es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.”
Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: “Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.”
Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: “Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.” Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: “Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.”
Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: “Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.” Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: “Das ist wichtig.”
Aus dem Buch “Momo“ von Michael Ende

Wie sieht mein Weg aus?
Was fällt mir schwer? Was fällt mir leicht?
Wohin geht es?
Fastenzeit: eine gute Zeit, das anzuschauen.
…mit dieser Geschichte laden wir Sie ein, sich die nächsten 6 Wochen mit uns auf den Weg machen. Immer mittwochs und sonntags veröffentlichen wir hier einen Impuls zum kurzen Innehalten.
1. Dezember 2024: ES IST ADVENT

Bild: Adrienne Uebbing
In: Pfarrbriefservice.de
Es ist Advent
Die Blumen sind verblüht im Tal,
die Vöglein heimgezogen;
der Himmel schwebt so grau und fahl,
es brausen kalte Wogen.
Und doch nicht Leid im Herzen brennt:
Es ist Advent!
Es zieht ein Hoffen durch die Welt,
ein starkes, frohes Hoffen;
das schließet auf der Armen Zelt
und macht Paläste offen;
das kleinste Kind die Ursach’ kennt:
Es ist Advent!
Advent, Advent, du Lerchensang
von Weihnachtsfrühlingstunde!
Advent, Advent, du Glockenklang
vom neuen Gnadenbunde!
Du Morgenstrahl von Gott gesandt!
Es ist Advent!
Friedrich Wilhelm Kritzinger
2. Dezember 2024: Die Liebe

Bild: Peter Weidemann (Foto) / Dürerschule (Bild, Detail)
In: Pfarrbriefservice.de
Wie Jesus Christus: Er fing an mit dem Tun und dann mit dem Lehren.
Schauen wir uns um. In allen, die uns begegnen, begegnet uns Christus.
Lieben wir sie.
Leiden sie? – Wir leiden mit ihnen.
Freuen sie sich? – Wir freuen uns mit.
Haben sie Sorgen? – Wir stehen ihnen feinfühlig bei.
Haben sie es schwer? – Wir teilen die Last.
Wollen sie spielen? – Wir spielen mit.
Sind sie von Musik begeistert? – Wir auch.
Wollen sie eine Tour unternehmen? – Wir gehen mit.
Müssen sie lernen? – Wir helfen ihnen.
Brauchen sie etwas? Wir sind da.
Kurz – wir lieben. Lieben wir immer, auch wenn es uns etwas kostet.
… Die Liebe bleibt nicht ohne Anwort!
(Gen Manifest, S. 31f)
3. Dezember 2024: In mir ist eine Quelle
In mir ist eine Quelle

Bild: Doris Schug
In: Pfarrbriefservice.de
In mir ist eine Quelle.
Der Geist selbst hat in mir eine Quelle gegraben,
die verschüttet sein mag,
die aber kräftiger ist als alles,
was sie zu verdecken und zu ersticken droht.
Aus der Quelle leben,
indem ich selber versuche,
Quelle zu sein für andere!
Ich kann jeden Tag Zuversicht geben –
und wenn so aus meiner Quelle
lebendiges Wasser entspringt,
habe ich selbst das Wasser,
das ich zum Leben brauche.
(Klaus Hemmerle, Gottes Zeit – unsere Zeit, Verlag Neue Stadt, S. 139)
4. Dezember 2024: Advent
Advent

Ich sehne mich
nach einem Licht,
das alle traurigen Gedanken
vertreibt.
Ich sehne mich
nach einem Wort,
das Zank und Streit
beendet.
Ich sehne mich
nach einer Zeit,
die mich zur Ruhe
kommen lässt.
© Gisela Baltes
5. Dezember 2024: Antwort Gottes

Gott liebt mich
Weihnachten, Fest der Geburt Jesu, sagt mir jedes Jahr von Neuem: Gott liebt mich.
Es scheint mir wie eine Antwort Gottes auf das innere Bedürfnis,
immer wieder an diese wunderbare, schlichte und doch so tiefe Wahrheit erinnert zu werden.
Gott hat mich, Gott hat uns alle angeschaut und wurde Mensch für uns.
Und er hat uns das Gesetz des Lebens gegeben, das unseren Weg erhellt …
(Die große Sehnsucht unserer Zeit, CL, S. 371)
6. Dezember 2024: Du bist nicht allein
Du bist nicht allein

Mut zum Maß Gottes. – du bist nicht allein!
Jesus geht dir voran,
Maria geht mit dir!
Buchstabiere ihr Ja
in den kleinen Augenblicken deines Lebens,
und wenn dein Ja immer und immer wieder brüchig wird,
vertraue auch die Scherben
der Liebe des für dich gekreuzigten Jesus
und seiner unter dem Kreuz stehenden
„Mutter der Barmherzigkeit“ an.
Geben wir unser Herz frei an den Engel,
der uns ruft.
Hören wir seine Stimme:
Fürchte dich nicht, fürchte auch du dich nicht.
Denn du, auch du, hast Gnade gefunden bei Gott.
(Klaus Hemmerle, Gottes Zeit – unsere Zeit, Verlag Neue Stadt, S. 164)
7. Dezember 2024: Hoffnungsstern

Hoffnungsstern
Dein Leben möge jederzeit
unter einem guten Stern stehen.
Er zeige dir den Weg in der Nacht
und wache unbemerkt über deinen Tag.
Er begleite alle deine Schritte
und erinnere dich daran,
nie die Hoffnung aufzugeben.
© Gisela Baltes
8. Dezember 2024: DEN WEG BEREITEN

DEN WEG BEREITEN
Die zweite Woche des Advent bricht an. Der Ruf „bereitet dem Herrn den Weg, ebnet ihm die Straßen“ hallt laut auf und wird uns in den kommenden Wochen weiter begleiten. Wegbereiten heißt Raum schaffen und achtsam sein; Raum für Neues, indem wir unseren Blick weiten, um nicht bei dem haften zu bleiben, was unser Gemüt trübt und achtsam sein für die oft stille Weise, durch die sich der Herr in unserem Leben bemerkbar macht. Ja, auch heute schon. Wer ihn erwartet, bei dem klopft er auch an.
Ein Gebet für den Tag:
Jesus, du bist gekommen, um gebückte Menschen aufzurichten. Ich muss mich nicht für andere verbiegen. Du richtest mich auf, wenn ich auch nur den Kopf senke. Zeige mir, wie ich geradewegs zu dir finden kann.
9. Dezember 2024: Vier Schlüssel
Vier Schlüssel
Ich wünsche uns allen vier Schlüssel:
Einen Schlüssel für die Hintertür –
der Herr kommt,
wo und wann wir’s nicht vermuten.
Er kommt in denen,
die sich nicht ans große Tor getrauen.
Einen Schlüssel für die Tür nach innen –
der Herr ist in wendiger als unser Innerstes.
Einen Schlüssel für die Verbindungstür,
die zutapezierte, zugemauerte nach nebenan –
im Allernächsten, welcher der Allerfremdeste ist,
klopft der Herr bei uns an.
Einen Schlüssel für die Haustür, für das Portal –
dort hat man Jesus mit Maria und Josef abgewiesen.
Wir wollen uns nicht genieren,
ihn öffentlich einzulassen in unser Leben,
in unsere Welt.
Werden wir sein Bethlehem heute sein?
(Klaus Hemmerle, Gottes Zeit – unsere Zeit, Verlag Neue Stadt, S. 380)

10. Dezember 2024: Geschenk

Geschenk
Ein jeder ist geschaffen
als Geschenk für uns
und wir als Geschenk für die anderen …
Ein geheimnisvolles Band der Liebe
verbindet Menschen und Dinge.
(Die große Sehnsucht unserer Zeit, CL, S. 380)
11. Dezember 2024: Die Hoffnung
Die Hoffnung
Die Hoffnung ist eine Herausforderin.
Und eine Lebensretterin.
Ein „da kann man ja doch nichts machen“ findet sie blöd.
Sich einer Situation einfach nur ergeben,
findet sie genauso schrecklich.
Sie glaubt an das scheinbar Unmögliche
und treibt dazu an, die Hände nicht in den Schoß zu legen.
Hoffnung ist adventlich.
Sie weiß, dass nichts beim Alten bleiben,
aber dennoch alles gut wird.
Sie kann mehr sehen als das, was vor einem liegt.
Sie hat viele Geschichten zu erzählen,
und jede Geschichte lässt sie größer werden.
von Andrea Wilke
12. Dezember 2024: Wer Ohren hat
Wer Ohren hat

„Seit den Tagen Johannes’ des Täufers wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich. […] Wer Ohren hat, der höre“ (Mt 11,12)
Immer wieder ist im Evangelium vom Hören die Rede. Doch das Ohr ist nur nur da, um einfach zu hören. Vielmehr ist das Ohr auch dafür zuständig, das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Gleichgewicht braucht es auch im Glauben. Das Reich Gottes unter uns leidet, wenn wir dem Glauben nur einen Randbereich unseres Lebens zugestehen und uns von allzu irdischen Dingen ablenken lassen. Wo wir jedoch mit einem Bein im Leben und mit dem anderen Bein fest im Glauben stehen und beides in uns zu einer Balance findet, dort wächst es heran und beschenkt uns mit reicher Frucht.
Ein Gebet für den Tag:
Jesus, meine Ohren sind oft überfordert: laute Geräusche, viele Worte, und viel zu viele Stimmen drohen deinen Ruf in meinem Leben zu übertönen. Dein offenes Ohr ist eine Einladung, vor dir still zu werden. Mein Schweigen sei ein Gebet, das die Waagschale meines Lebens ins Gleichgewicht bringt. Hilf du mir, im Trubel dieser Welt nicht ins Wanken zu geraten, sondern Halt zu finden in Dir.
13. Dezember 2024: Jesus ist Realist

Jesus ist Realist
Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigen.
Jesus ist Realist, er weiß um unsere Schwäche. Er verurteilt uns nicht, er sagt aber auch nicht: es ist egal, wie du lebst. Er ruft uns zur Buße, zur Umkehr, zum immer neuen Anfang. Er vergibt uns, lehrt uns, den anderen zu vergeben. Freundschaft mit ihm versandet, wenn wir nicht immer neu umkehren.
(Klaus Hemmerle, Gottes Zeit – unsere Zeit, Verlag Neue Stadt, S. 70)
Bild: Doris Hopf, Pfarrbriefservice
14. Dezember 2024: Das erste Date
Das erste Date

Bild: Irmela Mies-Suermann
In: Pfarrbriefservice.de
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie haben ein erstes Date mit jemandem. Sie warten am Bahnhof. Sie kennen Ihre Verabredung zwar von der Arbeit oder aus dem Sportverein, aber Sie waren noch nie mit ihr ganz allein im Kino. Sie warten, sind nervös, prüfen, ob die Frisur und die Kleidung sitzt. Sie müssen, Sie wollen sich vorbereiten, wenn Ihre Verabredung dann kommt, aus dem Zug steigt, Sie anlächelt.
Allein dieses Warten, diese Vorbereitung verändert Sie.
Den Advent sehe ich genauso: Ich warte gespannt, voller Freude und innerem Wohlgefühl auf einen, der da ganz sicher kommt und mich liebt.
Dieses Gefühl muss man verinnerlichen!
(Rainer Maria Schießler)
15. Dezember 2024: Bald ist Weihnachten

Bald ist Weihnachten …
Es ist das Fest, das auf die Christen – aber nicht nur auf sie – eine starke Anziehungskraft ausübt. Das Wort ist Mensch, Kind geworden. Warum? Um den Himmel auf die Erde zu bringen, damit wir an seinem göttlichen Leben teilhaben können …
Das Geschenk, das Jesus uns gebracht hat, ist die Liebe des Himmels: die Liebe, die in Gott ist, die Gott selbst ist, die zu leben, auch wir berufen sind …
Diese Liebe hat er uns gebracht; durch sie können wir Gott aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit allen Kräften lieben, ihn und auch die Mitmenschen, jeden Menschen, dem wir begegnen.



















